13.03.2023
Schatten und Licht in der Passionszeit - Gastbeitrag von Quinton Ceasar

Teil 4 unserer Serie in der Passionszeit.

Der Sonne hinterher
Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, wie ich und meine Freund*innen und Mitschüler*innen an frostigen Tagen im südafrikanischen Herbst und Winter in der ersten Schulpause um 10 Uhr immer nach der warmen Morgensonne Ausschau hielten. Wir lieferten uns ein Wettrennen um die begehrtesten Sonnenplätze auf dem Schulhof. Beim Aufwärmen informierten wir uns über den neuesten Klatsch und Tratsch, aßen einen Snack und setzten uns auf unsere Rucksäcke, um ein kleines Nickerchen zu machen oder den eigenen Gedanken nachzuhängen.

Leuchtturm des Lichts und der Wärme

Oft gab es dann diese eine freche Wolke, welche es sich vor der Sonne gemütlich machte. Der entstehende Schatten weckte selbst die selbstbewusstesten Powernapper*innen auf und unterbrach die eifrigsten Quasselstrippen mitten im Satz. Es folgte eine allgemeine Wanderung dorthin, wo die Sonnenstrahlen noch genossen werden konnten. Die kleine Irritation, der Mangel an Wärme und das Fehlen des Sonnenlichts setzten uns in Bewegung und luden uns nun erneut ein, sie erneut aufzusuchen.

In ähnlicher Weise ruft uns Gott in dieser Passionszeit dazu auf, uns nicht mit den dunklen und kühlen Momenten des Lebens zufrieden zu geben; mit den Wolken, die länger herumhängen, als wir sie ertragen können. Denn obwohl der Gott des Lichts in der Tat auch der Gott mitten in der Finsternis ist, ruft und zieht Gott uns zu ihrem Licht und ihrer Wärme. Gott ruft uns nicht nur auf, dieses wärmende Licht der Liebe zu genießen und in uns aufzunehmen, sondern er ruft uns auf, Träger*innen dieses Hoffnungslichtes in unserer Welt zu werden (Matthäus 5,14 &16). Auf diese Weise können wir – durch die Gnade Gottes – Momente und Räume schaffen, in denen unsere Mitmenschen vielleicht eine kurze Atempause von dem bekommen, was sie im Leben bedrückt.

Die Fastenaktion der evangelischen Kirche steht in diesem Jahr unter dem Motto: Leuchten! Sieben Wochen ohne Verzagtheit. Mögen wir in dieser Passionszeit leuchten. Mögen wir Gottes Licht und Wärme und Liebe in unserem Leben wahrnehmen und annehmen. Und möge jede*r Einzelne von uns zu einem Leuchtturm des Lichts und der Wärme werden, zu dem sich andere hingezogen fühlen, so dass wir in geschwisterlicher Verbundenheit in der Fülle der Gnade und Liebe Gottes gemeinsam baden können. Und nicht vergessen: Protect your Light, aber bloß nicht verstecken!




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