24.04.2020
Audiokonferenzen mit Mumble

Videokonferenzen haben in Zeiten des physischen Abstandsgebotes durch die Coronakrise eine große Bedeutung erlangt. Aber sind sie immer das beste Mittel der Wahl?

Absprachen, Versammlungen und viele andere Begegnungen werden zur Zeit mit Videokonferenzen realisiert. Das Datenaufkommen hat damit erheblich zugenommen. Die Videoqualität ist nicht immer optimal. Mitunter werden Verbindungsabbrüche, stockende Übertragung oder Sprachunverständlichkeit der Software geschuldet. Häufig sind jedoch ein Endgerät mit zu geringer Leistung, ein magelhaftes oder überlastetes W-LAN, die Qualität oder die Bandbreite der Internetverbindung die Ursachen.

Einen anderern Aspekt von Videokonferenzen zeigt das Phänomen, dass die größere Aufmerksamkeit des Menschen auf der visuellen Ebene liegt. Bei vielen Teilnehmern einer Videokonferenz, deren Bilder zu sehen sind, kann ein erhöhter Konzentrationsaufwand nötig sein, sich in das Thema zu vertiefen.

Hier werden die Vorteile einer Audiokonferenz deutlich. Die Übertragung von Sprache benötigt wesentlich weniger Rechenleistung und Bandbreite für die Datenübertragung. Durch das vorwiegende "hören und sprechen" erfolgt eine natürliche Focussierung auf die Inhalte. Ein Pfarrer, der beides mit seinem Presbyterium erprobte, berichtete, dass die Audiokonferenz im Vergleich zur Videokonferenz zu größerer Konzentration der Beteiligten, besserer Effizienz und kürzerer Versammlungszeit führte.

Hier kommt ein altbewährtes System ins Spiel, welches unter Online-Gamern und im alternativen Digitalbereich (Piraten/ CCC) seine Qualität und Stabilität mit vielen Teilnehmern (50/100 und mehr) unter Beweis gestellt hat: Mumble

Mumble ist ein Audio-Chat, ähnlich einer Telefonkonferenz. Die Nutzung einer Telefonkonferenz ist vom jeweiligen Telefonanbieter abhängig. Mitunter sind nur 3 Teilnehmer möglich und es fallen zusätzliche Gebühren an. Mumble ist für kostenlose Audiokonferenzen mit vielen Teilnehmern geeignet.

Für Mumble sprechen weiter ein paar Eigenschaften die in Bezug auf den Respekt der Privatsphäre der Teilnehmer und digitaler Selbstbestimmung wichtig sind.

  • Offener Quellcode (FOSS), also nachprüfbar wie und welche Daten verarbeitet werden
  • EndezuEnde-Verschlüsselung
  • Mumble-Server können selbst gehostet werden, so verringert sich die Abhängigkeit von kommerziellen Drittanbietern

Praktische Nutzung

Jeder Teilnehmer benötigt einen sogenannten Clienten, also eine App, manche Anbieter bieten auch einen Web-Clienten. Apps stehen für alle mobilen Betriebssysteme zur Verfügung, ebenso Programme für Desktop-Computer bzw. Laptop (siehe unten).

In jedem Fall ist die Nutzung eines Kopf- Ohrhörers (mindestens) oder einer Hörsprechgarnitur bzw. eines Headsets erforderlich!

In der App richtet man sich jeweils ein Profil für die Mumble-Server ein, die man nutzen möchte. Ein Profil besteht aus:

  • Bezeichnung (frei wählbar, nur für die eigene Organisation)
  • Server-Adresse (z.B. mein-mumble-server.de)
  • Benutzername (frei wählbarer Nickname, unter dem mich andere Teilnehmer sehen)

Optionen

  • Nicht jeder Mumble-Server ist öffentlich. So kann es sein, dass man im Profil ein zusätzliches Server-Passwort eintragen muss
  • Nicht jeder Chat-Raum muss für alle zugänglich sein. Es können Benutzer- und Gruppenrechte vergeben sein
  • Jede Teilnehmerin kann sich selbst stumm oder taub stellen, es ist aber auch möglich, dass ein Teilnehmer vom Administrator stumm gestellt wird

Darüber hinaus gibt es viele weitere Möglichkeiten, die hier nicht angesprochen werden, um den Einstig zu erleichtern.

Beispiel Android-App

Für Android gibt es die App Plumble, bzw. die aktuelle Weiterentwicklung Mumla. Server und Chat-Räume werden in einer Baumstruktur gelistet. Durch einen Tipp auf ein Profil verbindet sich der Client mit dem Server und man erhält eine Liste der vorhandenen Chaträume. Durch einen Tipp auf das Pfeilsymbol neben einem Raum, betritt man diesen Chat-Raum und kann mit den Teilnehmern sprechen. Das Mikrofon-Symbol des jeweiligen Teilnehmers wird durch eine Animation umrundet, wenn der Teilnehmer spricht. Beim Stumm oder Taubschalten wird das Symbol entsprechend angepasst.

Beispiel Desktop-Programm unter Linux

Unten ein Screenshots des Mumble-Programms. Ein neues Profil legt man über das Weltkugel-Symbol oder Hauptmenü [Server->Verbinden] an. Diese Schaltfläche/ Menüpunkt benutzt man auch, um sich mit den vorhandenen Profilen am Server anzumelden.

Bevor man bei einem Desktop-Programm jedoch ein Profil einrichten kann, wird man beim ersten Start durch einen Dialog geführt, in dem die Audio-Einstellungen eingerichtet werden. Es geht dabei im Wesentlichen darum, die richtige Ansprechschwellen zu finden, um Störgeräusche ausblenden und eine optimale Lautstärke einstellen zu können.

Das Programmfenster zeigt, nachdem man sich mit einem Server verbunden hat, links Statusmeldungen, rechts das Chatfenster. Die Verbindung zu einem Server wird geschlossen über das Haupt-Menü [Server->Trennen].

Schnelleinstieg

Für Neueinsteiger scheint die Nutzung mobiler Apps empfehlenswert:

  • App herunterladen und installieren, Zertifikatseinrichtung bejahen
  • Profil einrichten (Bezeichnung, Server-Adresse, Benutzrname)
  • Tipp auf Profil um sich mit dem Server zu verbinden
  • Tipp auf Pfeil des Chat-Raumes, den man betreten möchte
  • Nun ist man bereit zum Hören oder Sprechen

Apps und Programme, Informationen


Mehr Fotos

Mumble Android Server-Profil hinzufuegen Mumble Android Server-Profil hinzufuegen J.Sorge Mumble Android Interface Mumble Android Interface J.Sorge Mumble Desktopclient Server hinzufügen Mumble Desktopclient Server hinzufügen J.Sorge Mumble mit Server verbinden Mumble mit Server verbinden J.Sorge Mumble Interface Mumble Interface J.Sorge Mumble-Konfiguration auf dem Desktop Mumble-Konfiguration auf dem Desktop J.Sorge